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Japan Tokio Teil 1: Shibuya & Harajuku

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Erste Eindrücke

Es ist heiß, feucht, laut und voll in Tokio. Ich bin umringt von einer Menschenmenge in Shibuya, der bekannten Kreuzung im Herzen Tokios. Ein konstantes Hintergrundrauschen wird mich die kommenden Tage begleiten. Tokios Soundtrack besteht nicht nur aus Stimmengewirr, es ist ein Mix aus Bauarbeiten, elektronischer Popmusik und einem Wirrwarr an Essensgerüchen und Neonbeleuchtungen. Das augenscheinliche Chaos ist organisiert, niemand rempelt mich an, keine Blicke, die lange meinen kreuzen. Gegessen wird oft alleine, dafür aber verdammt gut.

Tokios Zentrum ist teuer, es ist futuristisch, voller Werbetafeln, manchmal eine Kopie westlicher Kultur und dann doch irgendwie nicht vergleichbar und sehr einzigartig. Doch diese Stadt hat Stil, die Menschen sehen chic aus, sie sind immer extrem höflich und zuvorkommend. Zudem hat man mich noch nirgendwo so oft gefragt, ob ich Hilfe benötige. Menschen schauen fast permanent auf ihre Mobiltelefone. Das Internet verbindet und nichts läuft hier ohne. Man hat fast überall Empfang. Das passt zum ruhelosen Puls dieser Stadt. Immer online, eingeschaltet und in Bewegung.

In den Spielhöllen sitzen Menschen alleine in großen Reihen und verlieren sich in virtuellen Welten. Hier brechen sie aus ihrem arbeits- und zeitintensiven Berufsleben aus. Hier sind sie Magier, Dämonen oder junge Mädchen mit idealisierten Körpermaßen. Die Toiletten sind hier 2.0 und haben mehr Funktionen als ein Nokia Telefon in den 90er Jahren. In manchen Sushi Restaurants bestellt man über ein Touchscreen und serviert wird über ein elektronisches Schienensystem. Effizient und lecker doch ohne Kontakt zu einem Menschen. Das macht mich nachdenklich, wenngleich ich eine große Faszination dafür hege. Zudem ist Tokio Konsum auf der einen Seite aber dann doch sehr traditionell. Obwohl ich täglich zwischen 14 – 18 km gehe und viel sehen ist jede Ecke dieser Stadt anders.

Shibuya Kreuzung, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Shibuya Kreuzung, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Endlich Japan

WOW, Japan. Seit Jahren überlege ich schon dieses Land und seine Kultur zu erkunden. Ende September 2016 war es dann endlich so weit. Mit meinem Partner und zwei Freundinnen sind wir zunächst nach Tokio gereist, danach in das Tagaragawa Onsen, Kyoto, Nara und erneut Tokio. Kurzum, diese Reise hat mich sehr beeindruckt und das Japan Fieber hat mich so richtig gepackt. Schließlich haben wir in zwei Wochen wirklich viel erlebt. Aufgrund dessen werde ich meine Reportage in mehreren Teilen veröffentlichen.

Im Folgenden werde ich zunächst mit Tokio beginnen. Schließlich hat diese futuristische und riesige Stadt so viel zu bieten. Zudem ist jede Ecke hier auf ihre eigene Weise besonders. Von schrill, laut und bunt über kultig bis hin zu traditionell. Tokio ist eine wahre Wundertüte. Rein ins Getümmel…

Shibuya/Tokio

Das wohl bekannteste Viertel der Stadt ist Shibuya, das eigentliche Stadtzentrum Tokios. Neben der bekannten Straßenkreuzung, die meist mit Menschenmassen gefüllt ist, ist dieses Viertel auch Einkaufsparadies und Ausgehmeile. In diesem Teil der Stadt ist immer etwas los und wenn man sich in den Seitenstraßen umschaut, entdeckt man viele kleine Restaurants, Bars, Foodtrucks, Shops, Spielhöllen und 100 Yen Shops. Hier kann man dem Konsum frönen, leckere Ramen Suppe essen, ein kühles Bier mit Freunden genießen und sich mit Mitbringseln für Freunde und Familie eindecken.

Nachts in Shibuya, 2016. © Christian Kuhn

Nachts in Shibuya, 2016. © Christian Kuhn

Die Frau auf dem Fahrrad, Shibuya, 2016. © Christian Kuhn

Die Frau auf dem Fahrrad, Shibuya, 2016. © Christian Kuhn

Shibuya hat für jeden etwas zu bieten und es ist das diverseste Viertel von allen. Es war unsere erste Anlaufstelle und ist gut um ein Gefühl für die Stadt zu bekommen. Hier spürt man am stärksten den futuristischen Charakter Tokios. Meine TOP Highlights in Shibuya sind:

Shibuya Cross (Kreuzung)

Das erste mal über diese Straßenkreuzung zu gehen ist ein krasses Erlebnis. Ein geordnetes Chaos, das mit der Grünschaltung der Ampeln beginnt. Riesige Menschenmassen begeben sich von allen Seiten in Richtung Mitte der Kreuzung und im Moment des Zusammenkommens ordnet sich jeder ganz automatisch so ein, dass er niemanden anrempelt. Man nimmt nur noch eine bunte Masse wahr, einzelne Gesichter differenziert man kaum noch, zu viele Menschen, zu viel Geschwindigkeit, zu viele Sinneseindrücke.

Wer ein schönes Foto machen will, kann sich bei Starbucks ans Fenster setzen und von dort aus tolle Fotos durch die Glasscheibe machen. Unbedingt ausprobieren!

Shibuya Cross. Blick aus dem Starbucks, 2016. © Christian Kuhn

Shibuya Cross. Blick aus dem Starbucks, 2016. © Christian Kuhn

Don Quijote (Krims-Krams Shop)

Konsum ist in Tokio allgegenwärtig. KAUFEN, KAUFEN, KAUFEN. Das merkt man an Kleinigkeiten wie der Kleidung der Menschen, die hier leben. Nichts sieht gebraucht aus, alles scheint gerade zum ersten Mal getragen worden zu sein. An jeder Ecke findet man eine Gelegenheit einzukaufen. Unbedingt zu empfehlen ist der Besuch eines Krims-Krams-Shops. Zwar kostet hier nicht alles 100 Yen, aber man kann für relativ kleines Geld eine Menge “Kleinigkeiten” einkaufen, seien es Mitbringsel für Freunde und Familie, besondere Süßigkeiten, Faschingskostüme, Elektro- und Sexartikel, Kosmetik oder Parfüm.

Don Quijote ist definitiv ein Highlight in Sachen “Krims-Krams-Shops” und voller Überraschungen. Wer auf Kitsch und Spaßartikel steht, ist hier gut aufgehoben.

Don Quijote 100 Yen Shop, Shibuya, 2016. © Christian Kuhn

Don Quijote , Shibuya, 2016. © Christian Kuhn

Don Quijote 100 Yen Shop, Shibuya, 2016. © Christian Kuhn

Don Quijote , Shibuya, 2016. © Christian Kuhn

Uobei Sushi

Sushi ist das wohl bekannteste Gericht Japans und mittlerweile sogar in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt angekommen, in der ich aufgewachsen bin. Infolgedessen gibt es in Tokio unzählige Sushi Restaurants. Vorausgesetzt man steht auf Technik und Spielereien, sollte man unbedingt Uobei Sushi ausprobieren. Das Restaurant gehört zu der Genki Sushi Restaurantkette und überrascht damit, dass man sein Sushi über ein Tablett bestellt um nur wenige Minuten später sein Essen über ein Schienensystem serviert zu bekommen. Zudem gibt es neben Sushi auch Ramen, Udon und eine Auswahl an Süßspeisen. Wir hatten großen Spaß hier. Folglich kamen wir sogar ein zweites Mal. Die Tablet-Computer kann man auf Englisch umstellen und Tee und Wasser gibt es umsonst.

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Uobei Sushi, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Nonbei Yokocho

Die im Englischen als “Drunkard’s Alley” bezeichneten Gassen im Herzen Shibuyas entdeckten wir eher zufällig. Nachdem wir auf der Suche nach einer netten und bezahlbaren Bar waren, (Bier kostet oft 7 Euro exkl. einer sog. Service Tax die mit 2-4 Euro zusätzlich auf das erste Getränk angerechnet wird) liefen wir in eine kleine Gasse und waren sehr überrascht darüber, eine Art “japanische Altstadt” vorzufinden. Im Grunde genommen sind Nonbei Yokocho nur zwei Häuserreihen, eng beieinander, mit vielen kleinen Bars in die zum Teil nur 5-10 Personen passen. Meist wird hier in sehr intimer Atmosphäre mit dem Barkeeper über Gott und die Welt geredet und dabei getrunken. Zudem kommt man schnell mit anderen Menschen ins Gespräch. Deshalb ist dieses Viertel ist absolut sehenswert, vor allem da es im Kontrast zu all den Neubauten steht, die man sonst in Shibuya findet.

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Nonbei Yokocho, Tokio 2016, © Christian Kuhn

Ichiran Ramen, Shibuya

Manchmal ist Fast Food ganz slow. Immer wieder kommt es vor, dass man in Japan in einer Schlange ansteht. Das passiert vor allem in guten Ramen Restaurants. Ramen ist eine Nudelsuppe die eine Fleisch-, Fischbrühe oder Miso als Basis hat. Dazu kann man seine Ramen Suppe mit einer scharfen Soße, Frühlingszwiebeln und Fleisch verfeinern. Unsere erste Ramen Suppe hatten wir bei Ichiran, einer Ramen Restaurant Kette. Besonders gefällt mir dort, dass man den Härtegrad der Nudeln, die Schärfe und die Intensität der Brühe festlegen kann. Hierzu füllt man einen kleinen Zettel aus. Wer großen Hunger hat, kann sich auch für kleines Geld noch eine halbe oder ganze Portion Nudeln extra bestellen.

Tokyo Hands Kaufhaus

Allerlei Kram, Bastel-, Heimwerker- und Bürozubehör, Küchenartikel, Kostüme etc. findet man bei Tokio Hands. Hier kann man einige Zeit verweilen und sich mit Bento Boxen, lustigen Schwämmen, Aufklebern, Dekoartikel und Geschenken eindecken.

Restaurant & Bar mit mini Terrasse

Wer in Shibuya ein kühles Bier auf einer Terrasse trinken möchte, wird es schwer haben. Wir mussten lange suchen, bis wir auf diese kleine “Notlösung” gestoßen sind. Name des Restaurants/Bar ist leider unbekannt, da ich die japanischen Zeichen nicht lesen kann. Das eigentliche Restaurant hat vier Barhocker direkt vor den Eingang zum Restaurant im ersten Stock. Man sitzt wie an der Bar mit dem Unterschied, dass man einen Blick über die kleine Straße hat. Via Google Maps Link kann ich Euch ungefähr zeigen, wo sich dieser Ort befindet. Anhand der Fotos, die gleich kommen, sollte es leicht zu finden sein.

Bar-Terrasse von Außen (erster Stock), Shibuya, 2016. © Christian Kuhn

Bar-Terrasse von Außen (erster Stock), Shibuya, 2016. © Christian Kuhn

Blick aus unserer Bar Terrasse, Shibuya, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Blick aus unserer Bar Terrasse, Shibuya, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Blick aus unserer Bar Terrasse, Shibuya, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Blick aus unserer Bar Terrasse, Shibuya, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Harajuku

Das Viertel Harajuku ist schwer zu fassen. Während wir auf der einen Seite Omotesando haben, eine riesige Einkaufsmeile mit all den internationalen Luxus Boutiquen und Shops, liegt am Ende dieses “Konsumhimmels” der Yoyogi Park, traditionsreich und altehrwürdig. Zudem befindet sich in Harajuku auch Takeshita Dori, die wohl schrillste Einkaufsstraße der Welt. Schließlich kennt man aus den Medien vor allem die aufgestylten Mädchen und Jungs, die sich meist entweder sehr bunt und glitzern kleiden oder im schwarz gehaltenen Gothic Stil. Auf jeden Fall sehr exzentrisch. Ausserdem wurden hier schon viele japanische Fashion Trends erfunden und die Straße ist fast immer überfüllt.

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Vorausgesetzt man interessiert sich für Architektur, sollte man sich unbedingt den Miu Miu Store anschauen. Zumal der von den Architekten Herzog & DeMeuron entworfene Bau wie ein Geschenkkarton aussieht. Weiterhin stehen schöne, breite, gepolsterte Möbel dort und die Wände sind Kupferfarben. Schließlich lohnt sich ein Besuch schon deshalb, da in direkter Nachbarschaft zudem der beeindruckende Prada Store zu finden ist. Weiter geradeaus kommt man dann an unzähligen Einkaufszentren, Geschäften und Cafés vorbei. Für Shopping Fans ein absolutes must see!
Miu Miu Store by Herzog & DeMeuron, Harajuku, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Miu Miu Store by Herzog & DeMeuron, Harajuku, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Shopping Center, Harajuku, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Shopping Center, Harajuku, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Takeshita Dori

Schrill, schriller, Takeshita Dori. Zudem ist dieser Ort für Menschen mit Platzangst definitiv der falsche. Wer sich jedoch traut durch die völlig überfüllte Einkaufsstraße zu gehen, der wird belohnt. Zumal es hier bunt, laut und exzentrisch zugeht. Mir hat es richtig Spaß bereitet dort zu fotografieren, zu schauen und durch die Läden zu schlendern. Hier gibt es allerlei Kitsch und Ramsch aber auch regenbogenfarbige Zuckerwatte und Shops mit ziemlich verrückter Kleidung.

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Yoyogi Park

Wer nach dem ganzen Trubel in Harajuku ein wenig Ruhe sucht, dem empfehle ich den Yoyogi Park. Nicht gerade mein liebster Park in Tokio aber ganz gut um etwas abzuschalten und sich auf einer der Wiesen auszuruhen, Tai Chi zu machen oder entspannt Spazieren zu gehen.

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Yoyogi Park, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Nach so einem anstrengenden und vollen Tag empfehle ich eine stärkende Udon Nudelsuppe in einem kleinen Imbiss namens Tsuru-Maru in der Nähe des Yoyogi Parks. DEs gibt dort auch Tempura Gemüse und man kann die Suppe als vegetarische/vegane Variante bestellen (mit Tofu, allerdings war es schwer festzustellen, ob in der Brühe Fleisch oder Fisch war!).

Tsuru-Maru Udon Imbiss, Tokio, 2016. © Christian Kuhn

Kurzum, das war Teil 1 meiner Japan Reportage. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß beim Lesen und Schauen und Entdecken. Anregungen, Kritik oder Lob sind willkommen und ich würde mich sehr über einen Kommentar freuen. Ausserdem ist Teil 2 auch schon online. Für diejenigen die Lust auf noch mehr Fotos haben, gibt es im Anschluß noch eine kleine Fotogalerie. Bis dahin, Sayonara!

Hier geht es zu Teil 2 meiner Japan Reportage : Rikugi-en, Akihabara, Gancon Noodles, Tsukiji Fisch Markt & Nakagin Capsule Tower

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