Emilia-Romagna / Bologna Das Herz Italien

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Das Herz Italiens

Italien war für mich immer ein Ort der Sehnsucht, der mystische Ort der auf mich wartet, eine Art Heimat aus einem anderen Leben. Das klingt etwas esoterisch, ich weiß, aber wenn man mit ItalienerInnen aufgewachsen ist, die Küche liebt und als Kind großer Fan von Sophia Loren und Bud Spencer war, da liegt es irgendwie auf der Hand, woher dieses Gefühl kommt. Nun war ich bereits in Venedig zur Biennale 2015 und doch hatte ich nicht das Gefühl das “wahre” Italien zu sehen, zu schmecken und zu riechen; was an den gefühlt Milliarden von Touristen gelegen haben könnte…

Es musste also ein neuer Versuch her und dieses Mal wollte ich ins Herz dieses Landes, in die Emilia-Romagna, bekannt für zwei nationale Superstars: den Parma-Schinken und den Parmesan-Käse (beides meine großen Lieblinge der italienischen Küche). Auch Pavarotti kommt aus der Gegend, aus Modena, da wo der heiß begehrte Aceto Balsamico herkommt. Essen ist überhaupt ein riesen Thema in Italien, aber dazu komme ich gleich. Jetzt geht es erst einmal ins wunderschöne Bologna, wo ich mit meinem Partner ein paar wunderbare Tage verbringen durfte.

Bologna, 2017. © Christian Kuhn

Erste Schritte

Schon nach den ersten Schritten in Bolognas Altstadt schlägt mein Herz höher, es fühlt sich an wie Verliebtsein und irgendwie ist es das auch, dieses Gefühl, wenn sich eine Stadt sofort gut anfühlt. Zuletzt fühlte ich das, als ich das erste Mal in Barcelona war. Wie damals scheint auch hier die Sonne, die Emilia-Romagna zeigt sich von Ihrer besten Seite, der Himmel ist strahlend Blau und keine einzige Wolke steht am Himmel.

Auf dem Weg zu unserer Unterkunft laufen wir immer wieder unter Arkaden. Später erfahren wir, dass ein Großteil der Altstadt damit überdacht ist und man somit weitestgehend vor Sonne und Regen geschützt ist. Prächtig und imposant umschmeichelt uns die Stadt mit ihrer Architektur und mit einem unvergleichlichen Charme der von den vielen kleinen Gassen und den Piazzas (oder heisst es Piazzi?) ausgeht. Bologna ist unglaublich lebendig, das Leben spielt sich auf der Straße ab, die Menschen schauen einem ins Gesicht und es wird viel gelächelt.

Arkaden, Bologna, 2017. © Christian Kuhn

Piazza Maggiore, Bologna, 2017. © Christian Kuhn

Piazza St. Stefano, Bologna, 2017. © Christian Kuhn

 

Gleich nach unserer Ankunft heißt es RAUS! Durch den Tipp eines einheimischen Freundes genießen wir schon kurze Zeit später unser erstes Gelato (Eis) in einem kleinen Park. Das ist keine einfache Eiscreme, das ist Kunst. Man schmeckt die Tradition und Liebe, mit der dieses Eis hergestellt wird. Das Gelato ist so seidig und lecker, dass sogar ich als Fetischist in Sachen Eis, der schon vieles probiert hat, völlig aus dem Hocker gerissen werde.

Eisfetischist kann sich nicht entscheiden, Bologna, 2017.

Die zwei besten Gelaterias sind definitiv Folgende:

  1. Cremeria Funivia
  2. Sorbetteria Castiglione

Entspannt durch die Stadt

Wer Bologna verstehen möchte, muss sich Zeit nehmen. Die Stadt ist nicht besonders groß, aber wer plant Sie in einem Tagestrip zu erkunden der wird Sie niemals richtig kennenlernen. Ich empfehle zu Fuß zu gehen. Lustwandeln durch die vielen Straßen und Gassen, je nach Laune hier und da etwas zu essen oder zu trinken, anzuhalten und den Ort auf sich wirken zu lassen. Es gibt so viele kleine und große Orte, die man erkunden kann, charmante Cafés, Restaurants und Bars, alte Kirchen, die Universität, der Botanische Garten etc…

Wer dennoch lieber plant, dem empfehle ich folgende Orte:

1. Via Pescherie Veccie

Wer mehrere Tage in Bologna bleibt und eine eigene Küche in der Unterkunft hat, dem empfehle ich unbedingt die Via Pescherie Veccie, eine kleine Einkaufsstraße voller Einzelhändler, die die besten Lebensmittel aus Italien verkaufen. Hier bekommt ihr alles vom Parmesan, Parmaschinken, über sardischen Peccorino und Burrata bis hin zu San Marzano Tomaten und leckerer Foccacia. Wir haben uns hier für die komplette Zeit mit Leckereien eingedeckt und haben es nicht bereut.

Kleines Obst- und Gemüseläden, Bologna, 2017. © Christian Kuhn

Bäckerei, Bologna., 2017. © Christian Kuhn

Bäckerei, Bologna, 2017. © Christian Kuhn

Unser Frühstück, Bologna, 2017. © Christian Kuhn

 

2. Türme Garisenda und Asinelli

Um ein Gefühl für die Größe und Lage der Stadt zu bekommen, empfehle ich auf den Turm zu steigen. Ob sich die 5 Euro Eintritt die man sich zudem an der Piazza Maggiore an der Touristen Information holen muss lohnen, entscheidet am Ende jeder selbst. Mir hat die Aussicht ganz gut gefallen und eigentlich versuche ich immer, die Städte die ich besuche, von einem Aussichtsturm zu bewundern. Von hier aus sieht man die vielen imposanten Kirchen und das hügelige Umland Bolognas. Der Aufstieg ist sehr anstrengend und für Menschen mit Gehbehinderungen oder älteren Menschen, ist der Aufstieg definitiv nicht zu empfehlen.

Garisenda und Asinelli, Bologna, 2017. © Christian Kuhn

Jungs, Bologna, 2017. © Christian Kuhn

 

3. Die Hügel Bolognas

Diese wunderschöne Stadt ist umgeben von unglaublich schöner Natur. Wer zwischendurch genug vom Leben in der Stadt hat, der kann entweder den Bus nehmen oder wandern. Wir haben uns für den Bus entschieden. Ihr nehmt am besten den Bus 52 an der Piazza Cavour (Tickets gibt es nur in Tabak Shops, nicht im Bus!). Belohnt wird man mit einer prächtigen Landschaft und einem Blick über Bologna. Am besten einfach etwas umher wandern und auf dem Weg zurück in die Stadt die ein oder andere Überraschung entdecken wie z.B. die Villa Aldini in der Pasolinis “Saló oder die 120 Tage von Sodom” gedreht wurde.

In den Hügeln um Bologna, 2017. © Christian Kuhn

 

 

 

Villa Aldini , Bologna, 2017. © Christian Kuhn

 

4. Botanischer Garten

Der Botanische Garten ist klein aber fein. Zudem liegt er in der Nähe des Studentenviertels. Wer also Lust auf etwas Natur und günstigen Kaffee hat, der sollte sowohl den Garten als auch das Studentenviertel besuchen.

Botanischer Garten Bologna, 2017. © Christian Kuhn

Malerei an der Uni Bologna, 2017, © Christian Kuhn

Universitätsstraße Bologna, 2017. © Christian KuhnEntspannen & Genießen

 

5. Entspannung & Genuss

Sehr beliebt sind hier, wie auch im Rest Italiens, die sog. Spritz. Aperol, Campari, Cynar jeweils mit Prosecco, etwas Soda und viel Eis. Dazu kann man an vielen Orten ab 19 h einen Aperitivo zu sich nehmen, was so viel heißt wie etwas Trinken und dazu an einem Buffet Kleinigkeit zum Essen auswählen, ähnlich der Tapas in Spanien. So startet man quasi halb besoffen und gesättigt in den weiteren Abend und somit sei auch erklärt, warum die ItalienerInnen so spät zu Abend essen. Unsere Lieblingsbar war die Bar De´Marchi mit Blick auf die Kirche und einer kleinen aber feinen Terrasse.

Apropo Abendessen…oder überhaupt Essen, Bologna ist bekannt für seine Pasta mit Ragout Bolognese. Wer also Fleisch isst, sollte das unbedingt probieren. Auch zu empfehlen ist das Parmigiana di melanzane (ein Auflauf aus Aubergine, Parmesan und Tomatensoße) und natürlich die Lasagne. Gefüllte Ravioli, Pesto, verschiedene gefüllte Nudeln und noch vieles mehr sind nur ein Bruchteil der riesigen Auswahl an tollen Dingen, die ihr hier probieren solltet. Eine der bekanntesten Ausgehmeilen ist definitiv die Via del Pratello. Hier findet Ihr eine Menge Bars und Restaurants.

 

Osteria dell’Orsa, Bologna, 2017. © Christian Kuhn

 

Günstig und sehr lecker ist die Osteria dell’Orsa, hier muss man Zeit mitbringen und direkt bei der Ankunft einen Kellner ansprechen, damit er Euren Namen notiert. Für drinnen und für draußen sind jeweils verschiedene Kellner zuständig und daher gibt es auch zwei Listen, also vorsicht!

6. Giardini Margherita 

Wie eine kleine Oase entfalten sich die Giardini Margherita am Rande Bolognas auf und bilden die grüne Lunge der Stadt. Abhängen, entspannen, Kaffee trinken, Rollerbladen und sogar arbeiten, das alles und noch viel mehr kann man hier machen. Neben der klassischen Parkanlage mit künstlicher Wasserstelle und den üblichen Cafés, gibt es hier die Serre dei Giardini Margherita, ein Kulturzentrum mit Coworking Space, einem eigenen Gemüsegarten, einem Café und einer bezaubernden Terrasse.

Bis auf den hohen Plastikverbrauch (jedes Getränk wird in einem Wegwerfbecher serviert) fand ich das Konzept stimmig und wir hatten hier eine wunderbare Zeit. Am besten mit einem Aperol Spritz auf den Liegestühlen im Gemüsegarten abhängen oder ganz entspannt Kaffee trinken vor dem Wintergarten.

Giardini Margherita in Bologna, 2017. © Christian Kuhn

Serre di Giardini Margherita in Bologna, 2017. © Christian Kuhn

 

7. Santo Stefano / Sette Chiese (Sieben Kirchen)

Wer mich kennt, weiß dass ich kein Fan von Kirchen bin. Die Tatsache, dass diese oft unter furchtbaren Umständen gebaut wurden, von einer Institution, von der ich nicht viel halte, führen bei mir zu einem Automatismus diese Bauten eher nicht zu betreten. Wenn man jedoch in Bologna ist und diese Bauten mag, sollte man die Sieben Kirchen zu besuchen. Hier gibt es mehr Infos dazu.

 

Sette Chiese, Bologna, 2017. © Christian Kuhn

8. Die älteste Universität Europas

Ganz unscheinbar von außen dafür aber sehr imposant von innen, lohnt sich der Besuch dieser “ältesten Universität Europas” allemal. Einen Großteil kann man umsonst anschauen. Durch die Gänge wandeln und sich vorstellen was die Wände schon alles gesehen und gehört haben, war für mich ein schönes Erlebnis. Die Wände sind voller Malereien und kleinen Reliefs. Wenn Ihr auf Geschichte steht, dann dürft Ihr diesen Ort nicht verpassen!

Universität Bologna, 2017. © Christian Kuhn

 

Sonne, leckeres Essen, Spritz trinken auf der Terazza, das beste Eis der Welt, eine wundervolle Altstadt und das ganze zu vernünftigen Preisen, Bologna ist wirklich eine tolle und sichere Stadt und ich kann Euch von Herzen einen Besuch empfehlen. Wir waren insgesamt 6 Tage hier, wobei wir an einem Tag einen Ausflug nach Modena gemacht haben und zeitlich empfanden wir diesen Zeitraum als ideal.

Aussicht aus unserer Unterkunft, Bologna, 2017. © Christian Kuhn

 

Das war mein erster Reisebericht zur Emilia-Romagna mit dem wunderbaren Bologna. In Teil 2 stelle ich euch die kleine aber feine Stadt Modena vor in welcher wir kulinarische Höhenflüge hatten, nicht umsonst ist eines der besten Restaurants der Welt hier ansässig. Falls Ihr noch fragen habt dann schreibt mir einfach eine Nachricht oder kommentiert den Bericht. Bis dahin viele Grüße und danke fürs Vorbeischauen.

 

Hier noch eine kleine Playlist zur Einstimmung:

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